„Nicht bei, sondern mit IT Kosten sparen!“

Marcel Schneider, Geschäftsführer Großkunden der Microsoft Deutschland im Interview mit dem Vorstandssprecher des Microsoft Business User Forum e.V. (mbuf e.V.), Thomas Hemmerling-Böhmer, anlässlich des mbuf Jahreskongresses am 17.06.2009 in München

Anlässlich des Jahreskongresses des „Microsoft Business User Forum e.V.“ (mbuf), der unabhängigen Anwendervereinigung für Microsoft-Plattformen, trafen sich der Sprecher des Vorstandes von mbuf, Thomas Hemmerling-Böhmer, und der für den Bereich Großkunden verantwortliche Geschäftsführer der Microsoft Deutschland GmbH, Marcel Schneider (MS), zu einem ausführlichen Dialog über aktuelle Entwicklungen rund um das Haus Microsoft.

Thomas Hemmerling-Böhmer, Microsoft Business User Forum e.V.: Seit Jahren schwelt der Streit zwischen der EU und Microsoft bzgl. der standardmäßigen Integration des Internet Explorer in das MS-Betriebssystem, die in den Augen der EU eine Wettbewerbsverzerrung darstelle. MS hat immer argumentiert, man könne den IE nicht herauslösen, da sonst nicht vertretbare Inkompatibilitäten bei der Windows-internen Kommunikation auftreten würden. Nun wurde berichtet, MS liefere Windows 7 ohne IE aus. Woher kommt der Stimmungswandel?

Marcel Schneider, Microsoft Deutschland GmbH: „Der weltweite Launch von Windows 7 rückt sehr schnell näher. Wir halten daran fest, das neue Betriebssystem zeitgleich in Europa und dem Rest der Welt zu launchen. Vor dem Hintergrund offener rechtlicher Auseinandersetzungen hat Microsoft daher entschieden, den Internet Explorer Computerherstellern und Endkunden als Stand-Alone-Produkt zur Verfügung zu stellen, anstatt ihn in Windows 7 zu integrieren.

Das ist ein wichtiger Schritt für Microsoft. Wir wollen (und werden) den weltweiten Launchtermin einhalten; von daher müssen wir uns mit den rechtlichen Realitäten in Europa auseinandersetzen. Obgleich es nicht unsere erste Wahl ist, glauben wir, dass unser Vorgehen zielführend ist. Es entspricht den rechtlichen Fragestellungen der EU ebenso wie unserem Interessse, EU-Bürgern alle Vorteile von Windows 7 zur Verfügung zu stellen, die Anwender auch in anderen Teilen der Welt genießen.“

mbuf Generell hierzu eine Frage: Inwieweit sehen Sie einen Erfolg oder Misserfolg an der „Browser-Front“ entscheidend für das Microsoft SaaS-Geschäftsmodell?

Marcel Schneider: „Im Rahmen unserer Software plus Services-Strategie hat Microsoft in den letzten Monaten ein Gesamtangebot internetbasierter Dienste vorgestellt. Sie erweitern die Zuverlässigkeit von Office- und Firmensoftware durch die Aktualität von Daten aus dem Internet. Das Besondere an diesem Angebot ist, dass ein Nutzer die freie Wahl hat, wie und von wo aus er auf Software zugreift – ob sie nun lokal installiert ist, als Internetdienst genutzt wird oder eben als Kombination aus beidem.

Fraglos ist der Browser in diesem Umfeld eines der zentralen Hilfsmittel für die Anwender. Und natürlich wünschen wir uns, dass unsere Kunden hierzu den Internet-Explorer verwenden, um den größtmöglichen Nutzen der Microsoft-Plattform zu ziehen. Von daher ist das Thema Browser für Microsoft sehr wichtig.“

mbuf Windows 7 soll jetzt ja schon im Oktober in die Regale kommen. Was hat MS dazu veranlasst, den Verkaufstermin so weit nach vorne zu verlegen? Immerhin lagen ja die ursprünglichen Release-Daten weit in 2010. Das Weihnachtsgeschäft alleine kann es ja wohl nicht sein?

Marcel Schneider: „Ein Betriebssystem zu entwickeln ist eine sehr aufwendige Angelegenheit, zumal auch das Testing sehr vieler Applikationen und Geräte viel Zeit in Anspruch nimmt. An diesen Themen arbeiten bei der Microsoft circa 8.000 Mitarbeiter. Ursprünglich hatten wir ein Veröffentlichungsdatum Anfang 2010 – also genau drei Jahre nach Windows Vista – im Auge gehabt. Der Termin am 22. Oktober wird jedoch von allen Marktpartnern, seien es nun Hardware-Hersteller, der Handel oder unsere Kunden, sehr positiv aufgenommen.“

mbuf Windows 7 ist offensichtlich eine Weiterentwicklung von Vista. Daher gibt es auch einen klaren Migrationspfad von Vista nach Windows 7. Was ist aber mit der großen Installationsbasis von XP? Gerade im industriellen Sektor haben ja nicht sehr viele Firmen den Umstieg auf Vista vorgenommen. Wie wird Microsoft diese Firmen unterstützen?

Marcel Schneider: „Kunden können von Windows XP auf Windows 7 upgraden – allerdings müssten sie einen so genannten „Clean Install“ vornehmen. Das bedeutet: Sie müssen ihre Daten sichern, Windows 7 installieren, die Programme und Daten wieder aufspielen. Ein Update ist technisch nicht vorgesehen. Ein Update von Windows Vista ist technisch möglich, aber auch hier empfehlen wir eine Neuinstallation.

Wir bieten übrigens Hilfestellungen zu allen Migrationsthemen mit „Springboard“, dem Tech Center für Client-Thematiken unter http://technet.microsoft.com/de-de/windows/default.aspx

Und speziell für den Upgrade-Pfad XP nach Windows 7 bieten wir verschiedene Hilfsmittel wie das „Automated Installation Kit“ für die Mehrplatzmigration sowie das kostenlose „Microsoft Deployment Toolkit“ für alle Phasen eines Deploymentprojekts.“

mbuf Gerade im (großen) Mittelstand wird sehr häufig das Fehlen von adäquaten Microsoft-Beratern beklagt. Viele Systemhäuser können die Beratungsqualität nicht liefern, die gefordert wird. Microsoft selbst hat zu wenige Berater – und die wirklich guten werden von den Großunternehmen „belegt“. Wie will Microsoft dieses Defizit angehen – vor allem vor dem Hintergrund der anstehenden Neuerungen?

Marcel Schneider: „Microsoft hat über 2.300 Certified- und Gold-Certified Partner in Deutschland, die 17 Kompetenzfelder wie beispielsweise Security oder Unified Communications (UC) abdecken. Kunden können über Suchmechanismen auf unseren Webseiten den zu ihnen passenden Partner suchen.

Aber wir tun noch mehr, um dieses in der deutschen IT-Industrie einzigartige Partner-Ökosystem zu unterstützen. So gewährleistet zum Beispiel unsere eigene Consulting-Abteilung den Know-how-Transfer zu unseren Partnern, und in der Breite bilden wir zertifizierte Personen in wichtigen Themen wie Security und UC aus – alleine in diesem Fiskaljahr haben wir über 1.500 Personen ausgebildet.

Gleichwohl wird Microsoft sein Partnersystem den geänderten ökonomischen Anforderungen anpassen. Derzeit ist das Partnerprogramm in 17 Kompetenzen aufgeteilt, die sich wiederum in verschiedene Spezialisierungen untergliedern. Für den Kunden ist das auf den ersten Blick nicht transparent genug. Er möchte eigentlich schon am Logo erkennen, welches Know-how der jeweilige Partner besitzt. Daher wird Microsoft künftig die derzeitigen Spezialisierungen als Kompetenzen realisieren. So wird die Kompetenz-Hierarchie flacher und transparenter, und der Kunde kann die Kompetenz des jeweiligen Partnerunternehmens auf Anhieb erkennen.“

mbuf Trotz Wirtschaftskrise gehören die großen Softwarehersteller wie Microsoft und SAP immer noch zu den Unternehmen, die gute Gewinne verbuchen können. Umso verständnisloser reagieren die Kunden ja mittlerweile auf einsame Lizenzierungs- oder Supportentscheidungen der Anbieter (wie am Beispiel des SAP Enterprise Supports zu sehen war). Wie passen diesbezüglich die Wachstumspläne von Microsoft zur momentanen gesamtwirtschaftlichen Lage, und welche Pläne oder Angebote hat Microsoft, seine zum Teil arg gebeutelten Kunden in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen?

Marcel Schneider: „Grundsätzlich gilt (und das wissen die im mbuf e.V. organisierten IT-Verantwortlichen ja): Der strategische Einsatz von IT hilft Unternehmen, Kosten zu senken. IT ermöglicht es Mitarbeitern, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren. Genau das vermitteln wir unseren Kunden, und wir leben es vor. Beispiel: Microsoft hat in den vergangenen Monaten durch den konsequenten Einsatz von Unified Communications und die damit einhergehende Reduktion von Reisekosten etwas über 200 Mio. US-Dollar einsparen können.

Die Anforderungen mittelständischer und größerer Betriebe an uns sind eigentlich immer dieselben und in der derzeitigen Situation natürlich drängender denn je:
„Helft uns Geld zu sparen!“
„Helft uns Zeit zu sparen!“ „Helft uns, der Datenflut Herr zu werden!“
„Helft uns, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren!“

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bieten wir unter anderem Collaboration- und Unified Communication Tools, Virtualisierungs- und Business Intelligence-Lösungen. Daneben hat Microsoft zur Unterstützung von KMUs drei konkrete Maßnahmen entwickelt:

Da sind zum einen Preispromotions mit Schwerpunkt Mittelstand und Großkonzerne. Sie sollen Unternehmen in die Lage versetzen, zu überschaubaren Kosten ihre IT wettbewerbsfähig zu gestalten. Diese Promotions räumen den Partnern und Händlern von Microsoft besondere Konditionen ein, um damit indirekt die Unternehmen zu unterstützen.

Weiterhin machen wir Kunden durch Microsoft Financing Finanzierungsangebote, um den nachhaltigen Aufbau einer IT-Infrastruktur langfristig bezahlbar zu machen.

Und schließlich bieten wir innovative Produkte und Bereitstellungskonzepte, mit denen die IT mittelständischer Unternehmen in dieser schwierigen Zeit einfacher, produktiver und kostengünstiger ihre Aufgaben erfüllen kann.“

mbuf Microsoft hat ja eine Vielzahl neuer Produkte angekündigt (u.a Office 14). Verfügen Sie hierzu über eine aktualisierte, verlässliche Roadmap, anhand derer bereits erste Planungen für die eigene Unternehmens-IT erfolgen können?

Marcel Schneider: „Derzeit veröffentlichen wir keine Roadmap über alle Business-Produkte hinweg. Warum nicht? Eine von Microsoft veröffentlichte Roadmap verleitet sehr stark dazu, den Qualitätsaspekt in der Software-Entwicklung den Inhalten des Veröffentlichungsfahrplans anzupassen. Diese Situation wollen wir vermeiden. Für einzelne Produkte, beispielsweise Microsoft Exchange Server 2010, bei denen wir die Produktentwicklung bereits gut absehen können, veröffentlichen wir solche Fahrpläne aber durchaus.

Aber wir wissen natürlich, dass frühzeitige Informationen über die Entwicklung von Software eine wesentliche Hilfe für IT-Investitionsentscheidungen sind. Firmen jeder Größe haben daher die Möglichkeit, Informationen zu nutzen, die ein unabhängiges Beratungshaus (Directions on Microsoft) in den USA bereit stellt. Unter www.directionsonmicrosoft.com haben Kunden dieses Beratungshauses die Möglichkeit, Informationen zu den Entwicklungsschritten unserer Software abzurufen, Produktanalysen zu laden oder Unterstützung in Lizenzfragen zu erhalten.“

Wir danken Herrn Schneider für seine Teilnahme am Jahreskongress des Microsoft Business User Forums.