Schöne neue KI-Welt?
Ein persönlicher Rückblick von Marc Alvarado auf die Microsoft AI Tour Munich vom 25. Februar 2026.
In der Eröffnungs-Keynote wurde, wie schon in der Vergangenheit, deutlich, dass Satya Nadella, CEO at Microsoft, sich für eine glanzvolle KI-Zukunft begeistern kann. Und natürlich durfte seine Signature Message nicht fehlen: „Empower every person and every organization on the planet to achieve more.“
Dazu soll das Frontier Success Framework hilfreich sein, welches aus 4 „Sets“ besteht: Mindset, Skillset, Toolset und Evals (das steht für Evaluation Sets), unterstützt natürlich durch den Microsoft AI Stack.
Die Schlüsselaussage im Vortrag war für mich: „The key: Intelligence X Trust“, mit der er die enge Verbindung von KI und Vertrauen hervorhob. Dabei wurde Trust vor allem mit Sicherheit gegen Bedrohungen (Angriffe oder Datenverlust) beschrieben und der „Key“ in den Begriff „Sovereign Intelligence“ überführt. Das greift meiner Ansicht nach zu kurz, denn Vertrauen sollte unbedingt auch hinsichtlich einer dauerhaft gesicherten Business Continuity bestehen, nicht zuletzt auch aus der Perspektive der Wirtschaftlichkeit.
Seine Ausführungen zu Digitaler Souveränität versuchte Satya noch durch eine Abwandlung der Signature Message zu verstärken: „Empower every person and every organization in Germany to achieve more.“ Wer Hintergründe zur Keynote nachvollziehen möchte, wird hier fündig: 2025 Work Trend Index Annual Report
Ich bin bezüglich KI besonders von dessen Potential bei der Mustererkennung begeistert. Die Fähigkeit, beispielsweise Krebszellen zu erkennen, bietet bestimmt große Chancen bei der Krebsfrüherkennung, wie dies im Vortrag an einem Use Case vorgestellt wurde. Eine gewisse Sorge treibt mich dabei um. Auf welche Szenarien laufen wir zu, wenn es um die Monetarisierung der geleisteten Investitionen geht? Ist es wirklich so, dass es Freiwillige Feuerwehren gibt, die mit Angeboten für Non-Profit-Organisationen in M365 eingestiegen sind und die jetzt reguläre Listenpreise zahlen sollen, wo Teams ein integrales Kommunikationsmittel für ihre ehrenamtliche Arbeit ist? Derartige Entwicklungen in der Rabattgewährung belasten bereits viele unserer Mitgliedsunternehmen. Ich mag mir nicht vorstellen, wie sehr dies gemeinnützige Vereine ins Mark trifft. → Habt Ihr dazu Evidenz? Wenn ja, meldet Euch bitte bei mir unter marc.alvarado@mbuf.de.
Die direkt anschließende Keynote von Agnes Heftberger, CEO, Microsoft Germany & Austria, hat mir weiteren „Denkstoff“ geliefert. So hat sie ihre Ansprache rund um AI-FOMO (Fear-of-missing-out) und Frontier-Firms aufgebaut. Dabei verglich sie Frontier-Firms mit Schulstrebern, denen man doch auf dem Weg zum Erfolg folgen solle. Ein charmantes Beispiel, dessen Bewertung sicher davon abhängt, welcher Seite man sich selbst in der Schulzeit zuordnen würde.
Viel mehr getriggert hat mich aber die AI-FOMO. Im Vortragsraum entstand ein wenig Unruhe und ich hörte jemanden murmeln, er habe eher eine Fear-of-being-in. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass mit dieser „FOBI“ die Phobie gegen ein Vendor-Lock-in gemeint sein könnte.
Die Opening-Keynotes wurden noch durch einen Beitrag von Daniel Grieder, CEO der Frontier-Firm Hugo Boss, angereichert, welcher die Einführung von KI im Unternehmen als Chefsache beschrieb.
Im Anschluss durften die geladenen Executives im Rahmen der CEO Connection Fragen an Satya richten. Vermutlich kein Format für kritisches Hinterfragen, weshalb es wohl besser war, dass meine gereckte Streber-Hand keine Beachtung fand.
Jeff Bullwinkel, VP & Deputy General Counsel, Corporate External & Legal Affairs, Microsoft EMEA, führte danach die Zuhörerschaft recht knackig durch den aktuellen Stand von Microsofts Aktivitäten rund um die Digitale Souveränität, wo die bekannten 5 Säulen nicht fehlen durften und auch die Hinweise auf die „Trusted Tech Alliance“ ihren Raum fanden.
Abgerundet wurde die CEO Connection durch ein Customer Panel mit dem Titel „Becoming Frontier“. Eine Aussage im Panel ist bei mir haften geblieben: Um mit der hohen Frequenz an Neuerungen klarzukommen, müsse man immer in Bewegung bleiben und sich darauf einstellen, dass man nie ankomme. Mir kam dabei der große Klassiker von Spencer Johnson in den Sinn: „Who Moved My Cheese“. Wer den noch nicht kennt, er ist auch bekannt unter dem Begriff „Mäusestrategie“.
Der weitere Nachmittag bot dann reichlich Gelegenheit, sich in Breakout Sessions und Lightning Talks zu verschiedensten AI-Themen informieren zu lassen. Wer dazu mehr erfahren möchte, findet hier umfangreiches Material: Microsoft AI Tour Sessions

Rundum eine schöne neue KI-Welt?
Lohnt ein Besuch bei der AI Tour? Ich denke, uneingeschränkt Ja. Besonders die verschiedenen fachlichen Sessions bieten eine gute Mischung aus Deep-Dive und Inspiration.
Ist eine AI Tour-Veranstaltung wie die andere? Nein. Die Inhalte entwickeln sich weiter, man hört viel über „the newest hot shit“, teils auf technisch hohem Niveau. Aus den vorgestellten Praxisbeispielen kann man auch viel Inspiration ziehen. Natürlich bleibt dabei die Grundmessage konstant: Microsoft AI Produkte sind klasse. Und die FOMO wird kräftig geschürt. Das ist aber auch ein legitimes Interesse des Veranstalters, und es bleibt jedem Besucher überlassen, sich einen eigenen Reim darauf zu machen.
Bin ich voll zufrieden? Nein, denn es gab zu wenig Raum für den Austausch mit anderen Besuchern und ich vermisse weiter eine geeignete Event-App, die beim Networking hilft. Es war in den Räumlichkeiten dauerhaft dunkel und voll, man stolperte über am Boden verteilte Spots und hat das In-Door-Catering mehr ertastet als gesehen. Die Outdoor-Food-Trucks waren bei trockenem und sonnigem Wetter eine willkommene Alternative.
Für den Austausch unter Gleichgesinnten und die kritische Reflexion gibt es glücklicherweise mbuf – merkt Euch daher schon einmal den #mbufJK26 vor. Wir starten unseren Jahreskongress am Montagabend, dem 28. September wieder im darmstadtium, Darmstadt und bieten reichlich Raum zum Fachsimpeln und Networking bis Mittwochmittag, den 30. September 2026.
