In vielen Unternehmen werden die Karten neu gemischt
Bericht über das Online-Treffen der mbuf Zielgruppe Betriebsrat am 29. April 2026.
Alle vier Jahre werden in Deutschland im Zeitraum März bis Mai die Betriebsräte neu gewählt. Dies hatte auch Auswirkungen auf das April-Treffen unserer Betriebsrats-Gruppe: Viele bisherige Mitstreiter:innen dieser Gruppe befanden sich entweder noch im Wahlkampf oder schon in der Findungsphase nach der Wahl.
Deshalb musste das ursprünglich geplante Präsenztreffen bei Rotkäppchen-Mumm aufgrund geringer Anmeldezahlen kurzfristig einem Online-Treffen mit stark geschrumpfter Agenda weichen. Trotzdem ein großes Dankeschön an Rotkäppchen-Mumm für die Bereitschaft, die Betriebsräte bei sich zu beherbergen – dies hervorzuheben ist den Gruppenleitern Andreas Urbenz und Thomas Dankert wichtig.
Matthias Ratz, freigestellter Betriebsrat bei der Hansgrohe Group, berichtete im zentralen Slot dieses Online-Treffens über seinen Besuch bei der Microsoft AI Tour am 25. Februar 2026 in den Münchener Eisbach Studios. Er durfte dort auf Einladung von Microsoft in einer Breakout Session unter dem Titel „Die Zukunft mit KI gestalten: Chancen und Verantwortung für Betriebsräte. Rechte schützen, Mehrwert freisetzen, vertrauenswürdige KI‑Einführung gemeinsam gestalten“ zu einem insgesamt sehr gelungenen Programm beitragen. Die Keynote zu Beginn des Events wurde von Satya Nadella gehalten. Er stellte unter anderem eine neue Möglichkeit vor, Microsoft AI Funktionen ohne Cloud zu nutzen. Ein weiteres beherrschendes Thema waren natürlich die Weiterentwicklungen im Bereich Agentic AI.
In seinem Vortrag bei der Microsoft AI Tour ging Matthias Ratz darauf ein, wie der Betriebsrat mit dem fortschreitenden Einsatz von M365 und KI bei Hansgrohe umging. Ganz am Anfang war, wie bei vielen anderen Unternehmen, Corona der Treiber für die Einführung von M365, insbesondere wegen der Möglichkeiten im Bezug auf das Arbeiten aus dem HomeOffice. Bereits Ende 2023 wurde eine Betriebsvereinbarung (BV) zu M365 abgeschlossen, in der Quartalstreffen der IT, des BR, der Product Owner (Nutzerverantwortlichen) und der Geschäftsleitung vereinbart wurden. Diese BV wurde so aufgebaut, dass grundsätzliche Dinge in der BV selbst geregelt sind, aber Detailregelungen zu benutzten Modulen und Funktionen im Anhang stehen. Dies hat den großen Vorteil, dass man bei Veränderungen im M365 Lösungsportfolio die Betriebsvereinbarung im Kern nicht anfassen müsse. Und wenn sich etwas Neues mit Regelungsbedarf ergibt, wie zum Beispiel die Verwendung von Transkriptionen bei MS Teams oder auch gerade aktuell der Umgang mit Power Automate Workflows, dann wird der Umgang mit diesen Neuerungen im Anhang ergänzt und geregelt. Bereits der nachfolgende M365 Copilot POK mit rund 300 Lizenzen im Januar 2024 wurde begleitet von Schulungen zum Thema Datenschutz und zum Thema KI.
Diese Schulungen waren auch für alle Betriebsräte obligatorisch. Dadurch wurde der Betriebsrat in diesen Themenbereichen „abgeholt“ und das Verständnis für die KI Technologien wesentlich gestärkt. Im Juli 2024 nahm Hansgrohe dann Copilot produktiv und schloss im September dann die Betriebsvereinbarung KI ab, die auch quasi als Mustervorlage im Microsoft BR Roundtable auf LinkedIn öffentlich den Mitgliedern dieser LinkedIn-Gruppe zur Verfügung gestellt wurde.
Matthias Ratz hatte einen weiteren wertvollen Hinweis für die Teilnehmer:innen seiner Breakout Session auf der AI Tour, aber auch für die Online-Teilnehmenden dieses mbuf Gruppentreffens der Betriebsräte: Wichtig ist es auf alle Fälle, den Datenschutzbeauftragten in all diese Prozesse mit einzubinden. Zwar ist Datenschutz an sich kein Thema des BR im Sinne der Mitbestimmungsgesetzgebung, aber es gibt etliche thematische Schnittmengen. Als Beispiel sei hier der Umgang mit Logfiles genannt. Logfiles können sowohl Daten enthalten, die zur Verhaltens- oder Leistungskontrolle (§ 87 BetrVG) geeignet sein können, als auch Daten, die im Hinblick auf den Datenschutz (DSGVO) relevant sein können. Vielleicht mache sogar Sinn, eine eigene BV zum Thema Umgang mit Logfiles abzuschließen, da zum Beispiel im Rahmen des Lizenzmanagements eine detaillierte Auswertung von Logdateien möglich sein muss.
Abschließend stellte er fest, dass diese Microsoft AI Tour eine sehr wertvolle Veranstaltung war und berichtete noch über die interessante Atmosphäre, die vielen Gespräche auch im Nachgang zu seinem Vortrag und die neuen Kontakte, die er knüpfen konnte.
In der sich anschließenden Diskussionsrunde tauschten sich die Gruppenmitglieder über weitere Aspekte einer BV zu M365 und zur KI Nutzung aus. So wurde zum Beispiel über Vor- und Nachteile von Blacklists (Verbotslisten) diskutiert mit dem Ergebnis, dass diese aufgrund der ständigen Neuerungen in den Technologien und Lösungen kaum aktuell zu halten sind. Besser sei es, mit Whitelists zu arbeiten und festzulegen, dass alles verboten sei, was nicht ausdrücklich erlaubt sei. Dies führe auch dazu, dass der Betriebsrat bezüglich der Nutzung neuer Features angefragt werde.
Eine weitere Betrachtung beschäftigte sich mit der Abgrenzung der Geltungsbereiche getroffener Vereinbarungen. Was für Deutschland gelte, müsse ja nicht zwangsläufig auch in anderen internationalen Standorten verbindlich sein. Hier gelte es basierend auf den deutschen Regelungen separate Vereinbarungen auch für den internationalen Umgang mit M365 und KI zu treffen, wobei gegebenenfalls abweichendes internationales Recht zu beachten sei. Für Europa sei das noch relativ einfach umzusetzen. Jedoch herrsche in den USA zum Beispiel eine völlig andere Firmenkultur und ein anderes Rechtsverständnis, was manches erschwere. Dennoch sei es erstrebenswert, im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit klare Spielregeln zu vereinbaren.
Das Online-Treffen klang aus mit dem Austausch über andere nicht Microsoft-bezogene Themen. Ein weiteres Treffen ist für Anfang Oktober vorgesehen, diesmal dann als Präsenztreffen im süddeutschen Raum. Die Themen stehen noch nicht fest, Vorschläge sind willkommen. Wer Interesse hat, in dieser mbuf Zielgruppe mitzuarbeiten, der nimmt bitte Kontakt auf mit der mbuf Geschäftsstelle (info@mbuf.de).
